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[Gastbeitrag] Charlotte & ihre Liposuktion

Heute kommen wir zu etwas das mir sehr am Herzen liegt. Ich habe schon einmal erwähnt, mein Plan Z in Sachen Lipödem ist die Liposuktion. Was das ist und warum, kannst Du hier lesen. Ich kann also nicht aus eigenen Erfahrungen berichten, alles was ich da zusammen getragen habe, sind die typischen Antworten die man so finden kann. Daher habe ich in div. Gruppen einen Aufruf gestartet und gehofft, dass sich jemand findet, der über seine Erfahrungen vor und nach der OP schreiben würde.

Charlotte (Namen geändert), die ich durch Lipödem Hilfe e.V. kennen lernen durfte, konnte sich dies vorstellen und bot sich an, ihre Geschichte unter dem Synonym zu erzählen. Vielen lieben Dank schon einmal!
Ihre OP ist noch gar nicht so lange her. Ich finde das sehr interessant, die Erfahrungen und Hintergründe einer frisch operierten zu erfahren! Daher geb ich ab und lass sie erzählen:

Hier ist er nun, der erste Text für einen Blog, den ich verfasst habe. Ich habe schon einmal darüber nachgedacht zu bloggen. Zu erzählen hätte ich viel. Aber neben dem Vollzeitjob und dem Fernstudium auch noch regelmäßig einen Blog pflegen?! Nein, dass ist völlig unrealistisch. Also habe ich mich von dieser Idee schnell verabschiedet und freue mich umso mehr diesen Gastbeitrag schreiben zu dürfen. :)
Ich möchte euch von meinen drei Liposuktionen berichten. Ich habe mich sehr schnell für die OPs entschieden. Meine Diagnose erhielt ich offiziell im Juli 2016, meine erste Operation war bereits im November 2016.

Die Diagnose Lipödem habe ich, wie ich finde, erst spät erhalten. Im Alter von 33 Jahren, letztes Jahr im Juli. Ich beneide jede Frau die es früher erfährt. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser. Damit bleiben Euch viele Jahre voller Leid und Verzweiflung erspart. Neben dem Lipödem leide ich noch unter Arthritis und Hashimoto. Klar, alle guten Dinge sind ja auch drei. ;)

Die Krankheit beginnt

Den ersten Lipödemschub bekam ich, wie vermutlich die meisten die diese Erkrankung haben, mit dem Einsetzen der Pubertät. Aus einem sehr schlanken Mädchen wurde plötzlich eine Frau mit den typischen Kurven.
Bis ich Anfang 20 war, konnte ich mein Gewicht gut halten. Ab Mitte 20 wurde mein Gewicht stetig höher. Ich hatte meine Essgewohnheiten nicht verändert und machte sehr viel Sport. Trotzdem musste ich jedes Jahr eine Hosengröße größer tragen. Das war schrecklich für mich. Ich strengte mich an, ging mehrmals pro Woche ins Fitnessstudio, aß absolut kontrolliert und nahm trotzdem zu.
Als mein Hashimoto Ende 2014 diagnostiziert wurde, hatte ich die Hoffnung dass sich das nun ändern würde. Ich wurde eines besseren belehrt. Trotz gut eingestellter Schilddrüse war es mir nicht möglich unter ein bestimmtes Gewicht zu kommen. Wir reden hier von 57 Kilo bei einer Größe von 1,58 Meter. Ich befand mich im Normalgewicht und wollte gerne noch so 2-4 Kilo abnehmen. Aber auch wochenlanger Verzicht auf Kohlenhydrate und exzessive Sporteinheiten brachten nichts. Mein Körper hielt das Fett fest. Irgendwann resignierte ich und versuchte nicht mehr abzunehmen, es klappte eh nicht. Während dieser Zeit hörte ich zum ersten Mal von der Erkrankung Namens Lipödem. Eine Bekannte hatte einen Arzttermin vereinbart um abzuklären, ob sie darunter litt. Als sie mir die Symptome nannte, fragte ich mich, ob nicht auch ich darunter litt. Die Symptome passten zu meinem Körper. Aber ich war genug mit der Einstellung meiner Schilddrüse beschäftigt. Ich hatte keinen Nerv eine weitere Baustelle zu eröffnen und noch öfter zum Arzt zu müssen. Ich verdrängte die Gedanken ans Lipödem also schnell wieder.

Der Schub, der alles veränderte

Sie kamen dann im Frühjahr 2016 wieder. Ich nahm aufgrund einer schweren Kniegelenksentzündung Cortison ein. Bisher hatte ich das immer verweigert, egal wie heftig mein Rheuma auch wütete, aus Angst vor den Nebenwirkungen. Da die Alternative jedoch eine Knieoperation war, es wäre die vierte, rang ich mich durch und probierte das Cortison aus.
Das Cortison konnte die Entzündung nicht eindämmen, aber irgendwas hatte es in meinem Körper angestellt… Meine Arme & Beine erkannte ich nach der Einnahme kaum wieder, innerhalb kürzester Zeit hatte ich massiv an Umfang zugelegt. Meine Arme & Beine waren prall und voller Dellen. Es waren keine Muskeln mehr sichtbar – alles war unter einer Fettschicht vergraben.
Mein Oberkörper war bis Dato immer meine Schokoladenseite gewesen. Er war im Gegensatz zum Unterkörper recht schlank und trainiert. Doch jetzt waren sogar meine Arme kräftig geworden. Das war ein absoluter Tiefpunkt, mein Rheuma feierte eine Party und der Rest meines Körpers hatte sich quasi über Nacht zum Michelinmännchen verwandelt.

Meine Nachbarin erzählte mir, dass sie wegen ihres Lipödems bei einem kompetenten Arzt in Behandlung sei. Nachdem mein Körper sich so schnell verändert hatte, wollte ich nun endlich Gewissheit haben ob ich nicht auch diese Krankheit habe.

Endlich die Diagnose

Ich machte mir also Anfang Mai 2016 einen Termin bei ihrem Phlebologen, dieser war erst Mitte Juli. Zwischenzeitlich hatte ich eine schwere Knieoperation und war mit der Genesung ziemlich beschäftigt. Daher fiel mir das Warten auf den Termin nicht schwer.

Als ich dann im Juli von diesem netten und sehr kompetenten Arzt meine Diagnose, Lipödem im Stadium 2, Ganzarm- und Ganzbeintyp erfuhr, war ich wahnsinnig erleichtert. Ich wusste nun, dass diese massiven körperlichen Veränderungen nicht selbst verschuldet waren. Endlich gab es eine Erklärung für die unkontrollierbaren Gewichtszunahmen und mein veränderten Körper. Die Cortisoneinnahme hatte bei mir leider einen erneuten, heftigen Schub ausgelöst.

Mein Phlebologe verschrieb mir eine Flachstrickstrumpfhose und einen Bolero für die Arme. Außerdem bekam ich ein Rezept für manuelle Lymphdrainage. Er klärte mich auf, dass die konservative Therapie nur Linderung bringt, aber an dem Stadium nichts ändern wird. Nur eine Liposuktion würde das Stadium verbessern und vielleicht sogar Heilung bringen. Er empfahl mir die Rosenparkklinik in Darmstadt. Dort wurden schon einige seiner Patientinnen operiert. Er war von der Klinik und deren Arbeit überzeugt.
Ich hatte mich schon vor meinem Termin beim Phlebologen in einem Selbsthilfeforum angemeldet um mich umfassend zu informieren. Hier konnte ich auch Operationsberichte lesen.

Liposuktion: Zurück zum Selbst

Ich entschied, dass ich mich schnellstmöglich operieren lasse und keinen weiteren Schub mehr ertragen wollte. Zum einen hatte ich lang genug unter den unkontrollierbaren Veränderungen meines Körpers gelitten. Ich wollte das stoppen. Außerdem wird es mit jeder Umfangzunahme schwieriger, meinen ursprünglichen Körperzustand herzustellen. Die Haut verliert mit zunehmendem Alter an Elastizität, außerdem wird sie durch jeden weiteren Schub noch mehr gedehnt. Das birgt die Gefahr, dass nach den Liposuktionen noch eine Hautstraffung notwendig wird. Weiterhin verhindert das Lipödem oftmals auch eine Gewichtsabnahme. Und die stetige Zunahme und Umfangvermehrung tat meinen, vom Rheuma angeschlagenen Gelenken auch nicht gut. Außerdem wollte ich diese Schmerzen loswerden.
Die Kompression half zwar gut gegen die Schmerzen und das Schweregefühl in Armen und Beinen, aber es ist auch eine Einschränkung. Jeder Gang zur Toilette dauerte nun länger. Bis die Strumpfhose wieder perfekt sitzt und überhaupt wieder an Ort und Stelle ist, bedarf es etwas Kraft und Geduld. Außerdem ist sie im Sommer kuschelig warm. ;)
Meine erste Flachstrickversorgung konnte ich im August im Sanitätshaus anprobieren & abholen. Ich war schweißgebadet nach diesem Termin.

Für mich war die Sache also geritzt, ich lasse mich operieren. Es fehlte mir also nur noch der Operateur meines Vertrauens. Es gibt viele plastische Chirurgen, aber die wenigsten kennen sich wirklich mit dem Krankheitsbild Lipödem aus. Das ist aber enorm wichtig, denn wenn der Arzt die sowieso schon angeschlagenen Lymphbahnen bei der Fettabsaugung verletzt besteht die Gefahr, dass man hinterher ein Lymphödem hat. Dann wäre der ganze Aufwand für die Katz gewesen!

Die richtige Klinik

Meine erste Station bei der Suche nach meinem Operateur war die Rosenparkklinik in Darmstadt. Ein sehr netter Arzt nahm sich fast eine Stunde Zeit für das Beratungsgespräch. Hierzu gehörte eine ausführliche Untersuchung, es wurden Bilder von den Armen und Beinen gemacht und er erklärte mir den Ablauf der Liposuktionen beim Lipödem.

Ich benötigte insgesamt drei Operationen, zwei für die Beine und eine für meine Arme. Bei den Beinen werden zunächst die Innenseiten gesaugt, dann die Außenseiten. Die Arme werden komplett in einer Operation gemacht.
Ich hatte noch zwei weitere Beratungstermine bei anderen Operateuren. Das war mir sehr wichtig, ich wollte einen Vergleich haben. Überzeugt hat mich am Ende jedoch die Rosenparkklinik.

Hier erfolgt die Liposuktion mittels Tumuszens-Lokalanästhesie und einer Vibrationskanüle. Es gibt keine Narkose und auch keinen Dämmerschlaf. Bei Bedarf bekommt man ein Beruhigungsmittel über einen Venenkatheter. Das macht einen kurzen Moment etwas abwesend und nimmt die Schmerzen. Wobei die Liposuktionen nicht schmerzhaft waren, die Tumuszens-Lokalanästhesie wirkt sehr gut. Es gibt lediglich ein paar Stellen die einfach unangenehm beim Saugen sind, zum Beispiel die Region um die Knie herum oder an den Fußknöchel. Hierfür ist der Bedarf gedacht. Es ist nicht so, dass man bei vollem Bewusstsein operiert wird und Schmerzen hätte. ;)

Ich entschied mich als erstes für die Operation der Arme. Sie bereiteten mir den größten Leidensdruck. Meine Beine kannte ich ja gar nicht mehr anders als mit dem Lipödem. Aber die schweren und dicken Arme, dass wollte ich schnell ändern. Außerdem war diese Operation die günstigste von allen. Ich hatte noch nicht das halbe Jahr konservative Behandlung hinter mir. Erst wenn man das absolviert hat, kann man die Kosten für die Liposuktion bei seiner Krankenkasse beantragen bzw. erst dann hat man eventuell den Hauch einer Chance. Macht man es früher, wird die Krankenkasse sofort auf die nicht ausgeschöpfte konservative Behandlung verweisen.

Ich bin bei der TK versichert, sie hat den Antrag abgelehnt.

Ich ließ die Beine trotz der Ablehnung operieren. Nachdem die Armoperation so gut verlaufen war und ich spürte wie federleicht meine Arme plötzlich waren, wollte ich das Lipfett auch an den Beinen schnellstmöglich loswerden. Ich war quasi angefixt. ;)

Nach der Liposuktion

Die Operationen waren für mich ein voller Erfolg. Mein Umfang hat sich an den Armen & Beinen verringert, ich habe keine Schmerzen mehr, kein Schweregefühl und bin leistungsfähiger im Sport geworden.

Auch im Alltag ist vieles leichter geworden, ich kann laufen ohne das meine Oberschenkel aneinander reiben, meine Beinachse ist wieder gerade (vorher hatte ich dank dem Lipfett X-Beine) und ich wiege ca. 12 Kilo weniger. Die Abnahme habe ich einerseits den Liposuktionen zu verdanken, andererseits meiner Ernährungsumstellung. Fakt ist, mein Körper ist jetzt nach vielen Jahren wieder fähig Gewicht zu verlieren. Vor einem Jahr war das völlig undenkbar. Mir geht es psychisch viel besser, ich fühle mich wieder wohl in meiner Haut. Ich habe „meinen“ Körper wieder. :)

Die Operationen waren eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Ich empfehle jeder Dame die es sich leisten kann diesen Weg zu gehen. Die zurück gewonnene Lebensqualität ist mit Geld nicht zu bezahlen!

Vielen lieben Dank für den ausführlichen Bericht, liebe Charlotte! Ich freue mich für dich und dein neu gewonnens Lebensgefühl, dass du es weiterhin genießen kannst und wünsche dir alles Gute weiterhin! ♥

Du möchtest deine Liposuktionsgeschichte auch gerne erzählen? Dann schreib mir doch eine Email an cheeruplion[at]web.de und wir besprechen alles weitere. Ich würde mich darüber freuen!

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