Hilfsmittel · Kompressionswäsche · Therapie · Wassereinlagerung

Kompressionsbolero

Eine Kompressionsversorgung kann das Leben verändern. Klar, sie soll einem helfen. Aber wie sehr man dieses Ding am Anfang hasst – sich eingeengt fühlt, der Lebensqualität beraubt – hat mir meine erste Kompressionswäsche für die Beine gezeigt.

Wie sehr ich dieses Stück Stoff Anfangs gehasst habe. Allein 15 Minuten brauchte ich anfänglich für mein persönliches Gefängnis, damit alles saß. Und dann dieser Kraftakt auf Toiletten – wieder das zurecht zuppeln, nicht mal eben „kurz“ aufs WC zu können. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass alles immer wieder zu machen, ein Leben lang. Überhaupt hatte ich das Gefühl, jeder würde sehen, dass ich diese Kompression trage. Obwohl ich sie unter Hosen & Co versteckte.
Mittlerweile habe ich meine vierte Versorgung und es ist für mich schon fast normal, die jeden Morgen anzuziehen. Das Anziehen ist mittlerweile unter 3 Minuten schnell erledigt und alles sitzt, ohne das was abgequetscht wird. Ich weiß die Beinkompression inzwischen zu schätzen.
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Freund oder Feind?
Die Armkompression soll ich erstmal nur des Nachts tragen, da ich in den Armen Wassereinlagerungen habe. Kein Lipödem.
Etwas ist natürlich anders: Ich bin nicht mehr am Anfang meiner Diagnose. Ich weiß, was ich habe und ich habe einen guten Weg gefunden, damit klar zu kommen. Trotz dieser Erfahrungen war ich aufgeregt und ein bisschen nervös, wie es mir mit meiner neuen Armkompression gehen wird.
Wie ich meine neue Kompressionswäsche bekommen habe, habe ich hier dokumentiert.
Eine neue Herausforderung
Neue Herausforderung, ja, so in etwa fühlte es sich für mich an, als ich am 21.12.2016 meinen Kompressionsbolero bekam. Die Kompression ist nur an den Armen. Dies ist durch den Rückenteil verbunden und wird daher Bolero genannt.
Das Anziehen dauert nun nicht so lange wie damals bei den Beinen. Der Stoff ist bekannt, man weiß wie man ihn anfassen muss. Vor allem ist es hier hauptsächlich ein durchstecken und dann zurecht zuppeln. Das war also wirklich okay.
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Die Bilder sind von Tag 1, bevor das regelmäßige Tragen began.
Ich finde an dem Bild wird deutlich wie sehr der Stoff die Arme in Form bringt. Oben sieht man eine starke Ausbuchtung die kurz nach dem Handgelenk beginnt. Durch den Bolero sieht das direkt geformter aus. Das freut mich natürlich! Trotzdem wusste ich Anfangs nicht so wirklich was ich von dem Ding halten soll.

Die Bewegungsfreiheit im Bolero finde ich höher, als bei den Beinen. Gerade wenn ich die Schultern anhebe schiebt sich der Stoff leicht mit nach oben. Ich weiß nicht, ob das so sein soll oder sie vielleicht doch falsch ausgemessen ist. Das wird sich denke ich mit der Zeit zeigen.

Die erste Nacht mit dem Bolero war unerwartet gut. Ich habe gut geschlafen und war hier auch nicht eingeschränkt. Ich merkte zwar Morgens das die Arme etwas „komisch“ waren zu bewegen, aber sie waren an den Händen oder an der Schulter, dort wo der Stoff endet, nicht geschwollen. Auch mein Ring passte wie immer.
Lediglich an den Achseln merkte ich, dass hier der Stoff etwas gerieben hatte. Ist ja total ungewohnt, aber immerhin: Es war nichts wund gescheuert. Nach ein paar Minuten ohne Bolero hatte sich die Haut an der sensiblen Stelle wieder beruhigt.
Ich  bemerkte auch schnell die normalen Anzeichen wie an den Beinen damals. Die Haut fängt an zu jucken, der enge Stoff ist natürlich mega ungewohnt und reizt die Haut. Aber die Pflege ist ja nicht unbekannt. Und mit zu den Anzeichen gehört ebenfalls das ich die ersten Tage verdammt häufig auf die Toilette musste. Das Wasser muss natürlich erstmal abtransportiert werden, was natürlich ein gutes Zeichen ist!
Nach 1-2 Wochen mit dem Ding, fiel mir auf, dass ich etwas völlig vergessen hatte: Es ist mega nervig nur eine Versorgung zu haben! Ich wasche es täglich, da ich es sonst etwas eklig finden würde. Da die nicht auf die Heizung oder in den Trockner (bzw. trau ich mich das nicht) kann, hat man aber ein paar Schwierigkeiten. Wenn es etwas kälter ist, passierte es mir ein paar mal, das der Bolero morgens noch klamm ist. Und so ein Ding klamm anzuziehen ist schwierig und verdammt eklig. Mal ganz abgesehen davon, dass es garantiert nicht gut für die Gesundheit ist. Ich habe versucht die Armkompression Nachts so konsequent wie möglich zu tragen.
Ansonsten hatte sich nichts groß verändert. Die Hände fühlten sich morgens komisch an, taten aber nicht weh oder ähnliches. Das einschmieren an den Armen, half das die Haut nicht austrocknete. Aber ich hatte bisher auch noch keine Veränderung der Form an den Armen bewusst wahrgenommen.
Nach 4 Wochen
Seit den 21.12. trage ich den Kompressionsbolero jetzt also. Mittlerweile ist es für mich eine selbstverständlichkeit geworden die Nachts zu tragen. Auch dieses seltsame Gefühl morgens ist nicht mehr da.
Mein Schlaf ist nach wie vor nicht gestört. In den Nächten ohne Bolero habe ich genauso gut geschlafen wie mit Bolero. Einer meiner größten Sorgen war nämlich wirklich, dass dadurch die Schlafqualität leidet.
Ja und wie ist das Gefühl an den Armen geworden? Vorher hatte ich oft das Gefühl die Arme wären schwer, selbst wenn ich mir die Haare eben schnell geflochten habe. Jetzt, nach knapp einem Monat muss ich sagen, doch, die Arme fühlen sich leichter an. Ebenfalls ist mir auch die Meinung meiner Lymphfee hier immer sehr wichtig. Die auch das Gefühl hat, dass die Arme dadurch besser geworden sind und sich gut anfühlen! Das ist doch super!
Das sie an Umfang verloren haben, kann ich nicht beurteilen. Rein optisch würde ich eher Nein sagen, wenn überhaupt nur minimal (daher kommen hier doch keine Fotos hin). Ich werde den Bolero defintiv weiter tragen und bin froh, wenn ich bald eine Wechselversorgung habe.
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3 Kommentare zu „Kompressionsbolero

  1. Das klingt ja positiv, das freut mich!
    Ich persönlich finde, dass es eine ziemliche Versorgungslücke ist, dass zur Erstausstattung keine Wechselversorgung gehört… Aber dafür muss man wohl erst noch massiv kämpfen…

    Ganz liebe Grüße
    Julia

    Gefällt 1 Person

      1. Liebe Sylvia,
        ich drück dir ganz fest die Daumen, dass du ganz viel Kraft beim Kämpfen hast!
        Frei nach dem Motto: Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren *zwinker*
        Liebe Grüße
        Julia

        Gefällt 1 Person

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