Kompressionswäsche · Lipödem · MLD · Therapie

Die Konservative Therapie

Die Konservative Therapie, bestehend aus manueller Lymphdrainaige (MLD) und Kompressionsbestrumpfung, soll die Schmerzen und die Beschwerden lindern, eine Heilung bringt sie aber nicht.
Diesen Satz hatte ich so oft gelesen.  Ich musste mich also auf eine lebenslange Therapie einstellen. Du kannst dir vielleicht vorstellen, wie es mir ging: Ich war demotiviert und absolut frustiert.

Ich ging also zu meiner ersten MLD und hatte eine wirklich gute Seele als Pysiotherapeutin: O. Wir unterhielten uns kurz und sie erfuhr, dass es meine erste Behandlung war. Sie redete viel, erklärte mir das Lipödem ohne die ganzen medizinischen Ausdrücke, hörte sich meine Fragen an und während der ganzen Unterhaltung machte sie ihre Handgriffe die die Drainaige auszeichnen. Und ja, nach der ersten Behandlung merkte ich eine Verbesserung. Die Beine fühlten sich leichter an und ich musste direkt auch mal für kleine Mädchen. Alles ein gutes Zeichen, dass das Lymphsystem arbeitet. Schön.

Dank O. lernte ich im Laufe der ganzen Sitzungen nicht alles negativ zu sehen, was das Leben mit Lipödem anging. Sie war in meinem Fall sehr optimistisch dass ich es in Griff bekommen würde. Ich war noch Jung und ich war schließlich immer noch im Anfang von Stadium 1. Sie sagte mir nur immer wieder, ich darf nicht aufgeben. An dieser Stelle muss ich sagen, O. hatte gegen Ende letztens Jahres in der Praxis gekündigt. Sie wollte wieder studieren, wurde mir gesagt. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich bei ihr meine ersten Behandlungen hatte. Nach O. lernte ich meine jetzige Lymphfee kennen. Ihre Art war anders als die von O., natürlich. Aber ich merkte schnell, dass sie genauso Herzlich war. Und auch sie beantwortet alle Fragen die ich habe. Und wenn ich einen absolut schlechten Tag habe, dann lenkt sie mich mit ihren Geschichten ab. Und ich hatte bisher keine Sitzung ohne ein Lachen.

Aber zurück zur konservativen Therapie und zum Anfang. Denn wie oben bereits geschrieben, gehört zur MLD auch die Kompressionsbestrumpfung. MLD entstaut und die Kompressionswäsche soll dies beibehalten und das Ödem konstant halten. Daher wird einem die Kompressionsbestrumpfung nach Maß geschnitten. So einen Termin bekommt man in einem Sanitätshaus, nachdem das Rezept an die Krankenkasse ging und diese die Strümpfe genehmigt.
Morgens nach einer MLD ging ich direkt ins Sanitätshaus und lies mich ausmessen. Dies ist ein Idealfall, denn morgens sind die Beine noch relativ weich und nichts konnte sich anstauen. Zusätzlich mit der MLD kann man davon ausgehen, dass sich am wenigsten angestaut hat. Nach 10 Werktagen warten, bekam ich also meine Erstversorgung.

Meine Kompressionswäsche ist von Juzo. Mein Phebologe schreibt mir seit dem ersten Rezept eine Caprihose und Kniestrümpfe mit geschlossener Spitze auf, Flachgestrickt, Kompressionsklasse 2. Auch wenn mein Phebologe mir damit ein einfacheres Anziehen schenkte, am Anfang war es eine Zerreisprobe meiner Nerven.
Noch im Sanitätshaus bat man mich die Versorgung anzuprobieren. Mit 2 helfenden Händen eines Mitarbeiters war ich in sage und schreibe ganzen 15 Minuten in der Kompressionswäsche. Während diesen ganzen 15 Minuten fragte ich mich 2 Dinge: Wie lange würde ich brauchen wenn ich die alleine anziehe? und Wie machen das die Menschen die nicht mehr so beweglich sind wie ich?
Ich war wirklich richtig fertig. Zu meinem Glück passte mir die Jeans noch, auch wenn sie auf dem Stoff nicht so leicht hochgezogen werden konnte wie auf der Haut. Nachdem ich also etwas damit noch in der Stadt gelaufen bin (und dabei dachte, dass mich jeder anstarrt) und irgendwann wieder zuhause war, musste ich auch mal wieder für kleine Mädchen.
Runterziehen kein Problem, okay. Aber das hochziehen wurde wieder zu einem Kraftakt. Da sich mein Slip auch noch in den Kompressionsstoff eingefaltet hat. Bis ich das also wieder alles richtig entfaltet hatte (mit der Hilfe meines Partners) und alles so angezogen habe, damit die Wäsche richtig sitzt, verging wieder eine Zeit.

Und ich weinte wiedermal. Ich habe zu dem Zeitpunkt viel geweint. Und diese Strümpfe bewirkten nichts anderes, als das ich mich unaktrattiv, verloren und krank fühlte. Ich fühlte mich einfach dermaßen eingeschränkt! Das ich Lipödem hatte führten diese Strümpfe mir mit jeder Bewegung deutlich vor und es wurde mir erst da richtig bewusst! Ich konnte es nicht mehr verstecken oder verdrängen! Gleichzeitig als mir das bewusst wurde, wusste ich auch, ich muss an mir arbeiten. Ich wollte nicht ständig weinen. Ständig nach Hilfe bitten. Ständig das Gefühl haben, ich müsste aufgeben. Das bin ich nicht! Ich musste mich arrangieren. Mit dem Lipödem. Ich wollte nicht für das Lipödem leben. Sondern damit!

Versteh mich bitte nicht falsch. Ich will absolut kein Mitleid. Aber diese Anfangsphase war verdammt schwer, gerade weil diese Krankheit kaum bekannt und auch nicht von der Krankenkasse anerkannt ist. (Aber immerhin übernimmt die Krankenkasse in meinem Fall bisher die MLD und die Strümpfe.)
Heute sieht meine Einstellung etwas anders aus oder sollte ich lieber Kampfgeist sagen? Aber das ist ein anderer Beitrag. ;)

Dieser Post entstand noch auf der alten Plattform, weshalb die Wasserzeichen noch die Alten sein könnten.

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2 Kommentare zu „Die Konservative Therapie

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